Zentrale Erkenntnisse aus acht NFP-80-Projekten

Zentrale Erkenntnisse aus acht NFP-80-Projekten
© Marco Finsterwald
Lesezeit: 5 Min.

Was fand das NFP 80 zu Jugend, Fiskalpolitik, Pandemiegouvernanz und sozialer Verantwortung heraus? Acht Lay Summaries sind jetzt online. Die Zusammenfassungen der weiteren Projekte folgen demnächst.

Projekt «Hausangestellte und Covid-19»

Aufgrund ihrer sozialen Stellung und ihres Rechtsstatus waren weibliche Hausangestellte mit Migrationsgeschichte besonders stark von der Pandemie betroffen. Die Forschungsgruppe «Hausangestellte und Covid-19» untersuchte, wie der Rechts- und Beschäftigungsstatus während der Covid-19-Pandemie die prekäre Situation und die Handlungsfähigkeit weiblicher Hausangestellter mit Migrationsgeschichte beeinflusste. Wie die Ergebnisse zeigen, waren Hausangestellte ohne gesicherten Aufenthaltsstatus und/oder ohne formellen Arbeitsvertrag während der Pandemie besonders von Arbeitsplatzverlust, Einkommensunsicherheit und einem eingeschränkten Zugang zu Unterstützungsmassnahmen betroffen. Dies unterstreicht die Bedeutung niedrigschwelliger Unterstützung und einer engeren Zusammenarbeit staatlicher Stellen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, um Krisen wirksam bewältigen zu können.

Projekt «Schweizer Corona-Politik und Unternehmen»

Während der Covid-19-Pandemie prägte die Wirtschaftspolitik die Erwartungen der Unternehmen, deren Überleben und die wirtschaftlichen Ergebnisse in der Schweiz. Ein wichtiger Beitrag des Projekts «Schweizer Corona-Politik und Unternehmen» ist ein Datensatz, der 1’330 fiskalische Massnahmen umfasst, die während der Pandemie auf Bundesebene und in allen 26 Kantonen umgesetzt wurden. Ausserdem zeigen die Ergebnisse, dass die Wirksamkeit politischer Massnahmen nicht nur von den Massnahmen selbst abhängt, sondern auch von der Kommunikation, dem Zeitpunkt und der institutionellen Koordination. Für künftige Krisen ist eine zeitnahe Beobachtung der wirtschaftlichen Entwicklungen unerlässlich. Der im Rahmen dieses Projekts entwickelte, webbasierte «Affectedness Indicator» liefert wertvolle Erkenntnisse für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger.

Projekt «Städtische Räume für Jugendliche»

Zugängliche Orte, an denen Jugendliche sich treffen, bewegen, oder sich zurückziehen konnten, waren während der Pandemie besonders wichtig. Sie ermöglichten soziale Kontakte und ein gewisses Mass an Autonomie. Gleichzeitig wurden Jugendliche im öffentlichen Raum – vor allem vermittelt über Medien – als störend oder verantwortungslos wahrgenommen und stärker kontrolliert. Für Stadtplanung und kommunale Entwicklung bedeutet dies, ein dichtes Netz gut erreichbarer und flexibel nutzbarer Orte zu erhalten und weiterzuentwickeln. Räume sollten so gestaltet und reguliert werden, dass Jugendliche sie sicher und selbstständig nutzen können.

Projekt «Religion und soziale Verantwortung»

Wie entschieden Menschen während der Covid-19-Pandemie, was als verantwortungsbewusstes Verhalten gilt? Wie diese Forschungsgruppe zeigen konnte, interpretierten Menschen mit derselben religiösen oder nicht-religiösen Zugehörigkeit die Pandemie oft unterschiedlich. Ob sie sich an die Massnahmen hielten oder nicht, hing von ihrer persönlichen Weltanschauung ab. Auch hielten sich die Menschen nicht einfach an Massnahmen oder lehnten sie ab, sondern sie interpretierten Regeln neu, um sie mit ihren eigenen Werten in Einklang zu bringen.

Projekt «Daten in Pandemiezeiten»

Die Covid-19-Pandemie war eine der ersten grossen globalen Gesundheitskrisen, deren Verlauf anhand von Echtzeitdaten deutlich verfolgt werden konnte. Allerdings zeigen die Ergebnisse des Projekts «Daten in Pandemiezeiten», dass Gesundheitsindikatoren wie Fallzahlen und Todesfälle die Medienberichterstattung über die Pandemie dominierten, während ihre sozialen, psychologischen und wirtschaftlichen Aspekte vergleichsweise vernachlässigt wurden. Auch garantiert der Zugang zu Daten noch kein Verständnis. Eine wichtige praktische Erkenntnis des Projekts ist, dass sich eine effektive Kommunikation von Krisendaten nicht darauf beschränken lässt, mehr oder bessere Daten zu veröffentlichen. Sie hängt von den Voraussetzungen ab, unter denen Daten erstellt, weitergegeben, visualisiert und interpretiert werden. Diese Voraussetzungen müssen bereits vor Ausbruch einer Krise geschaffen werden.

Projekt «An vorderer Front in humanitären Krisen»

Frontline-Organisationen waren während der Pandemie zentral für die Unterstützung vulnerabler Menschen. Sie übernahmen während der Pandemie eine zentrale Rolle im Krisenmanagement, schlossen Versorgungslücken, passten ihre Unterstützungsangebote an und entwickelten neue Angebote. Ihr Wissen und ihre Erfahrung können staatliche und nichtstaatliche Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger auf verschiedenen Ebenen dabei unterstützen, in einer künftigen Krise die Auswirkungen auf vulnerable Gruppen frühzeitig zu erkennen, gezielt darauf zu reagieren und langfristige Folgen zu begrenzen.

Projekt «Digitale Justiz im Familienrecht»

Die Covid-19-Pandemie führte zu einem verstärkten Einsatz digitaler Instrumente in familienrechtlichen Verfahren. Einen nachhaltigen Wandel hin zu einer digitalen Justiz bewirkte sie bei den Fachleuten jedoch nicht. Gleichzeitig offenbarte sie ein mangelndes Bewusstsein für soziale und geschlechtsspezifische Ungleichheiten. Auf dieser Grundlage formuliert das Projektteam evidenzbasierte Empfehlungen zur Stärkung der digitalen Kompetenzen und der Infrastruktur sowie zur Sensibilisierung für Ungleichheiten. Zudem schlägt das Projektteam Anpassungen der schweizerischen Gesetzgebung vor, um einen gleichberechtigten Zugang zur digitalen Justiz im Familienrecht zu gewährleisten. Für Fachpersonen aus der Praxis entwickelte es entsprechende Weiterbildungsmodule.

Projekt «Schweizer Pandemiegouvernanz»

Die Covid-19-Pandemie stellte die Pandemiegouvernanz in der Schweiz auf die Probe. Das Projektteam untersuchte, wie die verfassungsrechtlichen, gesetzlichen und institutionellen Rahmenbedingungen für die Bewältigung von Krisen in der Schweiz verbessert werden können. Die Ergebnisse zeigen, dass die Schweiz ihre rechtlichen Grundlagen für die Krisenvorbereitung und -bewältigung stärken sollte. Darauf aufbauend erarbeitete das Projektteam konkrete Handlungsempfehlungen für Verfassung, Gesetzgebung, Verwaltung und Justiz.